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Wir trauern um Gretel
Gretel ist tot. Die kleine braune Henne mit dem großen Herzen für Menschen ist am Dienstagmorgen gestorben.
Tags zuvor brachte der Besuch beim dritten Tierarzt endlich eine Diagnose. Durch den angezüchteten ständigen Legezwang waren ihre Fortpflanzungsorgane mürbe, vereitert und mit einem dicken Klumpen Entzündungsmaterial verstopft.

Wie viele andere Tiere auch, verbergen Hühner Schwäche und Krankheit instinktiv möglichst lange, um nicht angegriffen zu werden. Trotz dieser ohne Operation unausweichlich tödlichen Erkrankung war Gretel wieder munter, aß und trank wieder gut und rannte genauso schnell wie ihre Freunde.
Lediglich hin und wieder zeigte sie Episoden von vielleicht Insichgekehrtsein, wahrscheinlicher jedoch Schmerzen, weshalb ich noch einen weiteren Tierarzt aufsuchte. Ihr wurden 50 % Überlebenschancen mit Operation, null ohne eingeräumt. Wir wollten die möglicherweise rettende OP nicht unversucht lassen. Gretel hatte nichts zu verlieren. Wir sind unendlich traurig, dass wir sie nicht retten konnten.
Wir danken von Herzen Ihnen allen, die Anteil an Gretels Schicksal nahmen und nehmen.
Gretel hätte noch ein langes, gutes Hühnerleben haben sollen. Jedes Huhn sollte das! Doch Gretel wurde, wie Millionen ihrer Schwestern von einer grausamen Industrie regelrecht ausgewrungen. Und auch wenn wir von Industrie sprechen, so haben diese doch konkret Menschen zu verantworten. Diejenigen, die aus unermesslicher Tierqual Profit schlagen, diejenigen, die das mit Gesetzen absegnen, und alle, die diese Gesetzgeber wählen, alle, die für Tierleid bezahlen, die wegsehen und zu diesen Vorgängen schweigen.

Sogenannte Legehennen leben etwa 12-15 Monate, diejenigen, die, wie Gretel, Frieda, Anneliese und Flocke noch die Zwangsmauser durchleiden, bis zu 28 Monate – dann sind sie verbraucht und werden entsorgt. Viele sterben vorher an ähnlichen Erkrankungen wie Gretel oder an Wunden oder den Folgen gebrochener Gliedmaßen.

Unvorstellbar viele Hühner, die allermeisten, werden wieder von dieser Welt gerissen, ohne jemals Sonnenlicht gesehen, Gras, Erde und Stroh kennen gelernt und frische Luft und Wind unter ihren Flügeln gespürt und ihre Flügel auch benutzt zu haben.
Besser, nicht zu leiden
Es tut weh, dass Gretel nur so ein kurzes Leben nach ihrem Dasein in Bodenhaltung haben durfte. Es ist schwer zu ertragen, den kleinen, leblosen Körper vom Tierarzt abzuholen, nachdem man ein tatsächlich noch fröhliches Huhn dort abgegeben hatte. Gretel war interessiert, lustig, klug und liebevoll – eine Freundin.
Gretel mit Frieda
Ein irritierender Gedanke kommt auf: wir konnten diese beeindruckende Persönlichkeit und ihre ebenso liebenswerten Gefährtinnen nur kennenlernen, weil die Eierindustrie sie „erzeugt“ hat. Gretel gab es nur, weil Menschen Eier essen wollen. Ja – aber was für Schlüsse sollen wir daraus ziehen?

Manche ziehen einen Gedanken wie diesen heran, um die Benutzung von Tieren für unsere Zwecke zu rechtfertigen. Wir Menschen möchten nicht von uns selbst denken müssen, dass wir schlecht sind, dass wir Böses tun. Um das zu vermeiden, sind wir imstande, uns die abenteuerlichsten Rechtfertigungen auszudenken. Dazu gehört auch die Idee, dass man Tiere, die man für die eigenen Zwecke benutzt, noch einen Gefallen damit tut, weil sie ohne unsere Zwecke ja erst gar nicht auf die Welt gekommen wären. Auch Gretel hätte es nicht gegeben, wenn es die Eier-„Erzeugung“ nicht gäbe.
So wunderbar es war, dass wir Gretel erleben und um uns haben konnten – so schön ihre lebenswerten Momente für sie selbst auch waren: sie können doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie den viel längeren Teil ihres Lebens extrem gelitten hat und ihr „das System“, oder ehrlicher Menschen alles vorenthalten haben, was ihr Leben gut gemacht hätte. Deswegen ist es auch nicht widersinnig, wenn wir wütend auf diese Menschen sind, auch wenn wir Gretel durch sie hatten. Ihr hat man alles genommen, sogar noch nachdem sie gerettet war, denn sie konnte ihr neues Leben nicht mehr lange auskosten. Sie hat nicht viel Glück erlebt. Das führt das Argument vom Eierkonsum als Segen für die Hühner genauso ad absurdum wie das vom Fleischessen als Segen für die Schweine. Es wäre für Gretel besser gewesen, sie hätte nicht auf die Welt kommen müssen, um darin nach allen Regeln der Kunst misshandelt und betrogen zu werden.
Es gibt keinen Grund, sich zu beruhigen
Wir sind wütend und wir finden, es gibt auch gar keinen Grund, sich „abzuregen“, zu „beruhigen“ und mal „halblang zu machen“. Wut und Trauer sind genau die angemessenen Reaktionen darauf, dass wir Menschen eine Welt gebaut haben, in der Tiere wie ein Rohstoff verwertet, wie leblose Masse in Lager („Ställe“), auf Förderbänder und in Kühltruhen gefüllt werden.
Wir können nicht sagen, wir hätten es nicht gewusst, denn es gibt sie doch, die Bilder, die uns unseren Umgang mit den Tieren vor Augen führen. Wenn wir sie ansehen, dürfen wir nicht vergessen: sie zeigen uns nicht das Wesen der Tiere, sondern die entsetzliche Lage, in die Menschen sie zwingen. Wir sehen Massen von Hühnern, eingepferchte Schweine und Tiere in verdreckten Ställen und unbewusst setzt sich auch fest, Tiere seien so: eine Masse, hilflose Opfer, dreckig, leidend und schwach. Aber das ist nur, was wir aus ihnen machen. Tiere sind Personen, Einzelne, die Dinge tun wollen, die ihre Fähigkeiten nutzen wollen, die sich bewegen und frei und selbstbestimmt leben wollen. Wir sehen all das nicht, was ihnen genommen wird. Das lässt sie uns oft unterschätzen und damit auch, was wir ihnen antun lassen.
Wenn wir sie nicht verbiegen, verstümmeln, einsperren, mit Stahlkäfigen und Elektroschockern wehrlos machen – wenn wir Tiere leben lassen, wie sie es brauchen und wollen, dann zeigen Sie uns Lebenslust, Freude, Interesse, Fürsorglichkeit.
Frohe Ostern – Leid für Hühner
Das Osterfest ist da, die Nachfrage nach Eiern ist noch größer als sonst, lustige, dicke, runde Hühner sind als Deko-Gegenstände allgegenwärtig. Ja, sind wir denn von allen guten Geistern verlassen? Haben wir wirklich an der Art und Weise, wie diese Tiere zu Milliarden verbraucht werden, auch noch etwas zu feiern?
Tiere anständig zu behandeln, bedeutet keinen Verzicht auf etwas, das uns zustünde. Tierschutz ist keine Spaßbremse. Im Gegenteil: erst dann, wenn wir fair und freundlich zu Tieren sind, dann haben wir Grund, zu feiern, uns gut zu fühlen, unbeschwert zu sein.
Jetzt aber sind wir traurig. Wir sind wütend. Die Kraft, die diese Wut uns gibt, werden wir nutzen und noch entschlossener dagegen vorgehen, dass Tiere wie Gretel unter den Augen der Behörden und mit Zustimmung der Gesetzgeber brutal zugrunde gerichtet werden. Die Coronakrise macht den Alltag auf dem Lebenshof natürlich in vielerlei Hinsicht noch schwieriger, aber wir werden auch jetzt nicht nachlassen. Bitte, bitte wehren auch Sie sich für die Tiere gegen das Unrecht, das ihnen Tag für Tag angetan wird!
Nutzen wir diese Zeit!
Spüren auch Sie etwas von dieser Trauer und Wut? Dann schieben sie die bitte nicht beiseite. Bitte nutzen Sie die Kraft, die Ihnen diese völlig angebrachten Gefühle geben. Vielleicht gehören Sie zu denjenigen, die durch die Corona-Maßnahmen mit etwas mehr Zeit beschenkt wurden, ohne zugleich Existenzängste haben zu müssen. Bitte geben Sie etwas davon ab für Tiere! Wenn nicht jetzt, wann dann ist die Zeit, um z.B. Protestbriefe zu schreiben?! Immer wieder!

Gegen die Ausbeutung von Tieren in der Agrarindustrie;

dagegen, dass die auch noch mit Slogans von „glücklichen Hühnern“ und Bildern von lachenden Schweinen auf Schlachttransportern beworben werden darf;
gegen Tierversuche, die gerade jetzt mit Hochdruck und vermeintlichem öffentlichen Segen gemacht werden;

gegen ein Tierschutzgesetz, welches mit Floskeln wie dem „vernünftigen Grund“ jede noch so schwache Tierschutzvorschrift aushebelt; gegen ein Tierschutzgesetz, welches denjenigen die Beweislast aufbürdet, die Tierschutzverstöße anprangern, weil Tiere nicht selbst für sich streiten können. Wir brauchen Beweislastumkehr: Wer Tiere nutzen will und entgegen ihrer Natur behandelt, muss nachweisen, dass sie nicht darunter leiden!
Schreiben Sie Protestbriefe gegen den nur angeblichen Tierschutz durch Behörden, die im Schnitt nur alle 17 Jahre tierehaltende Betriebe kontrollieren, manche erst nach über 50 Jahren oder gar nie.

Schreiben Sie an Parteien, Politiker, Tierversuchslabore, Landwirtschaftsverbände und bestehen Sie auf Antworten.

Schreiben Sie Leserbriefe an viele Zeitungen. Verlangen Sie umfassende objektive Berichterstattung über den Umgang mit Tieren im Labor, in der Landwirtschaft, im Zoo und Zirkus.

Fordern Sie die Bildungsinstitutionen auf, junge Menschen nicht von denjenigen manipulieren zu lassen, die im ureigenen Interesse in Schulen drängen: Jäger, Tiere nutzende Landwirte, Zoos, Tierversuchslabore, Zirkusse. Eine einmal gefasste Meinung ist nur sehr schwer wieder zu ändern. Junge Menschen bilden sich ihre Meinung erst. Ihre Meinung über Tiere und den angemessenen Umgang mit ihnen dürfen nicht diejenigen lenken, die von Tierleid profitieren und ein System der Gewalt und Grausamkeiten schützen wollen.

Wenn Sie die Sorge haben, dass Ihr Anliegen in diesen Wochen untergeht, dann schreiben Sie doch Briefe vor und heben Sie sie für den richtigen Moment auf! Ganz schnell hat uns der Alltag wieder und dieser möglicherweise so wertvolle historische Augenblick ist vorüber. Dieselben Maßnahmen, die im Moment Massenproteste verhindern, schenken manchen Menschen mehr Zeit für individuellen Protest. Wir können uns JETZT dafür wappnen, auch im Alltag für Tiere einzutreten, wo immer es nur möglich ist. Nutzen wir die Zeit!

Denken Sie nicht: „Das bringt doch alles nichts“, „Da kriegt man doch bestenfalls einen Standard-Antwortbrief“, „Das interessiert doch keinen“. Nur weil zu viele Menschen so denken, können sich die Adressaten unseres Protests mit Standardbriefen wehren. Jeder von uns ist nun einmal „nur ein Einzelner“, aber deswegen müssen wir auch als Einzelne handeln. Auf wen sonst sollte es ankommen, wenn nicht auf jeden von uns, auch auf Sie? Wer soll denn sonst die Welt für Tiere besser machen, wenn nicht Sie?
Alles, was wir hier auf dem Lebenshof und bei all unserer Arbeit für Tiere tun, tun wir mit Ihrer Hilfe und im Gedenken an all die wunderbaren Tier-Freunde, die wir unterwegs kennenlernen durften und die ein Stück des Weges mit uns gegangen sind. Gretel wird uns immer in Erinnerung bleiben. Sie kam uns buchstäblich nah und wir hätten sie so gerne noch mit ihrer Adoptiv-Familie in ihr neues, schönes Zuhause einziehen sehen.
Liebe Gretel, wir denken an Dich. Danke, dass Du unsere Freundin warst! Lebwohl!

Spendenkonto

IBAN: DE17 4785 0065 0010 0078 98
SWIFT-BIC: WELADED1GTL
Sparkasse Gütersloh-Rietberg

Achtung für Tiere e.V. www.achtung-fuer-tiere.de
Vossebeinweg 40 info@achtung-fuer-tiere.de
33397 Rietberg / Varensell Tel.: 05244-9740440

Spenden und Beiträge steuerlich absetzbar. Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt.
Mitglied im Deutschen Tierschutzbund e.V.
Teilnehmer der Initiative Transparente Zivilgesellschaft ▶

Ausstellung von Spendenquittungen zum Jahreswechsel, auf Wunsch auch früher.


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