Presse > Pressemitteilungen > Tieren eine Stimme geben - 1. Mai 2010

Tieren eine Stimme geben

Achtung für Tiere befragt Parteien zum Tierschutz

Achtung für Tiere versorgt Tiere mit Handicap lebenslang, engagiert sich gegen die Ursachen vielfältigen Tierleides und für eine bessere Mensch-Tier-Beziehung. Seit 2002 hat Tierschutz Grundrechtsrang. Bezüglich lokal bedeutsamer Tierschutzprobleme - Katzenelend und Tiere im Zirkus - wurde eine Anfrage an die Parteien gerichtet.  

Katzenelend

Nach Beobachtungen des Vereins vegetieren herrenlose Katzen in und um Gütersloh, ohne Fütterung, Unterkunft, ausgezehrt, mit Augen- und Ohrenerkrankungen, chronischen Infektionen, schmerzhaften Verletzungen, die oft qualvoll zum Tod führen. Wie viele Verkehrsunfälle auf Ausweichmanöver für hungrige oder liebeskranke Katzen zurückzuführen sind, weiß niemand.

Menschen möchten Katzen um sich haben und schaffen sie sich freiwillig an. Also stehen sie in der Pflicht, für sie zu sorgen und unnötige Leiden zu verhindern. Dazu gehört auch, freilaufende Katzen kastrieren zu lassen, denn aus einem unkastrierten Katzenpaar entstehen in 10 Jahren problemlos 240 Millionen Nachkommen! Wenn das eigene Tier Nachwuchs produziert, für den später niemand sorgt, verursacht das erhebliche Leiden. Dass man Katzen immer irgendwie „loswerden“ kann, merken vor allem Tierheime, die immer wieder Überfüllung beklagen.

„Wir haben eine große, an Menschen nicht gewöhnte, sehr kranke Katzenfamilie aufgenommen, soweit es ging gesund gepflegt und kastriert. Wir erhalten keinerlei öffentliche Mittel und sind allein auf die Hilfe anderer Tierfreunde angewiesen,“ berichtet Tierärztin und Vorsitzende Astrid Reinke. „Unsere räumlichen Grenzen sind erreicht, die finanziellen überschritten. Wir können keine zusätzlichen Tiere aufnehmen.“

Dem Katzenelend sei nachhaltig entgegenzuwirken wenn in Gütersloh − wie bereits in Paderborn und anderen Städten1 − über die Zusammenhänge aufgeklärt und die Kastrationspflicht für Katzen mit Freigang eingeführt würde, die auch der Deutsche Tierschutzbund e.V. fordert2.

„Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit der Katzenhalter Tierleid und Unfälle bedauert. Die Ursache dieser Probleme muss deshalb bewusst gemacht werden,“ erklärt Reinke und möchte, dass die Stadt, das Veterinäramt und die ortsansässigen Tierschutzorganisationen nach dem Paderborner Modell aktiv werden.

Zirkus

„Aufgrund der Tierschutzprobleme sprechen sich immer mehr Experten gegen Tiere in reisenden Zirkussen aus,“ weiß Frauke Albersmeier, stellvertretende Vorsitzende des Vereins und nennt Bewegungseinschränkung, Transporte, schädliche Klimabedingungen und mangelhafte Kontrollierbarkeit auch von Gewaltanwendung. Zwangsbewegungen, Schmerzen und Schäden an Füßen, Beinen, Ohren etc. würden immer wieder festgestellt3, Todesursachen blieben oft unaufgeklärt. Auch die Bundestierärztekammer fordert ein Verbot für Wildtiere im Zirkus4. „Nur noch wenige Menschen empfinden Vergnügen bei den Dressuren. Ich sehe keinen guten Grund, diese mittelalterliche Tradition fortzusetzen.“ Immer mehr Städte, wie Köln oder Kassel, vermieten Zirkussen, die bestimmte Tiere mitführen, keine städtischen Standflächen. Dies fordert der Verein auch für Gütersloh.

Hier die wesentlichen Punkte der Stellungnahmen:

CDU
Probleme mit freilaufenden, verwilderten und unkastrierten Katzen hat man noch nicht  wahrgenommen. In Sachen Kastrationspflicht wird auf die zuständigen Gremien verwiesen. Bezüglich Tiere im Zirkus wird auf bereits bestehende gesetzliche Regelungen und die zuständige Behörde verwiesen. Zirkusprojekte mit Tieren werden positiv beurteilt.

Die Grünen
Die Situation herrenloser Katzen war bislang nicht gegenwärtig und das Paderborner Kastrationsmodell nicht bekannt. Man will sich mit der Problematik befassen und um eine Lösung bemühen.
Ein Antrag der Grünen, Zirkussen mit Tieren keine städtischer Flächen zu vermieten, scheiterte im Umweltausschuss an allen anderen Parteien.
Das Betteln mit Tieren wird abgelehnt und eine kritische Reflexion von Zirkusprojekten mit Tierdressuren für Grundschulkinder befürwortet.

Die LINKE
Keine Antwort

FDP
Keine Antwort.

SPD
Man verweist auf die Verantwortlichkeit der Bundesregierung, einen Bundesratsbeschuss von 1993 zum Verbot von Wildtieren und eine von der Partei erstellte Liste im Zirkus erlaubter Tierarten.

 

„Wir bedanken uns für die Stellungnahmen und die Gesprächsangebote von CDU und Grünen. Zwar sind Tiere stimm- und rechtlos. Aber ethischer Tierschutz als wichtiges Anliegen der Gesellschaft gewinnt stetig an Bedeutung. Menschen melden sich für Tiere zu Wort. Politiker, die Werte und soziales Engagement schätzen, sollten das ernst nehmen,“ findet Reinke. „Wie gehen wir mit Schwächeren um? Wer bei Verantwortung, Rücksicht, Empathie und Zivilcourage eine willkürliche Grenze zu Tieren zieht, wird die Gewalt in unserer Gesellschaft nicht eindämmen. Tierschutz ist immer auch Menschenschutz!“

Achtung für Tiere benötigt bei seinen vielfältigen Aktivitäten zur Abschaffung von Tierleid die Hilfe tierschutzengagierter Bürgerrinnen und Bürger. Information und Kontakt unter: www.achtung-fuer-tiere.de, info@achtung-fuer-tiere.de, Tel.:05241-238467.

 

1 Siehe auch: http://www.nw-news.de/lokale_news/paderborn/paderborn/3491832_Der_einzig_gangbare_Weg.html.

 2 Vgl. hierzu:  http://www.tierschutzbund.de/katzenschutz.html. Auf dieser Seite kann auch der Verordnungsentwurf als PDF heruntergeladen werden.

 3 Vgl.hierzu http://www.achtung-fuer-tiere.de/index.php/zirkus/articles/stellungnahme-zu-zirkus-mit-tieren.html.

 4 Vgl. hierzu http://www.bundestieraerztekammer.de/datei.htm?filename=pm_05_2010.pdf&themen_id=4849&PHPSESSID=cb1aa83bd4dda6c027123f7551017e48.

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