Presse > Pressemitteilungen > Protest gegen grenzenlose Leiden - 24. April 2016

Protest gegen grenzenlose Leiden

Aktionstag für Forschung ohne Tierversuche

Pressemitteilung, 24. April 2016

In vielen deutschen Städten wurde am Wochenende mit Protestaktionen der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche begangen. Achtung für Tiere e. V. machte am Berliner Platz auf das Leiden und Sterben von rund 3 Millionen Tieren allein in deutschen Versuchslaboren aufmerksam. Dazu lagen Kataloge aus, in denen Tiere wie empfindungslose Gegenstände feilgeboten werden - gesund, teilamputiert oder mit angezüchteten Krankheiten versehen. „Aus dem Katalog durchs Labor in den Abfall: Tiere werden wie Laborgeräte gehandelt, sie sind bloß „Material“. Auch hinter dem Zubehör für die leidvollen Experimente steht eine riesige Industrie“, kommentiert Aktivistin Yvonne Herzig-Rother.

„In Deutschland werden selbst extrem qualvolle Versuche genehmigt, obwohl EU-Recht eine Leidensobergrenze fordert und Tierschutz Grundrechtsrang besitzt. Ich finde die Wissenschaftshörigkeit in Deutschland erschreckend“, kritisiert Tierärztin Astrid Reinke, Vorsitzende von Achtung für Tiere. Yvonne Herzig-Rother erläutert: „Besonders grausame Versuche heißen im Tierversuchsjargon „schwer belastend“. Menschen würden sie als unerträglich beschreiben, z. B. immer wieder mit Elektroschocks gequält oder bis zur Verzweiflung zum Schwimmen gezwungen zu werden – in einem Glasgefäß, in dem man niemals den Boden erreicht und an dessen Wänden man immer wieder abrutscht…“ Solche Versuche würden in der Depressionsforschung durchgeführt.

Für die Bewertung der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen müssten sich deutsche Behörden auf die Ausführungen der Tierexperimentatoren selbst verlassen. „In vielen Bereichen sind wir viel sensibler für Befangenheit. Auch Atomkraftwerkbetreibern oder Waffenhändlern  sprechen wir nicht die moralische Expertise für das eigene Tun zu“, meint Reinke. Bei Tierversuchen sei grundvernünftiges Misstrauen außer Kraft gesetzt. Dabei zeigten die wenigen bislang verfügbaren Untersuchungen, dass Tierexperimentatoren die Leiden von Tieren oftmals zu niedrig einschätzten und gravierende methodische Fehler machten.

Tieren vorsätzlich Leiden zuzufügen stehe den Moralvorstellungen der meisten Menschen entgegen. Doch gebe es über Leiden der Tiere, das Ausmaß öffentlicher Förderung und die Nutzen-Schaden-Bilanz der Experimente keine Transparenz. „Würde gezeigt, wie sehr die Tiere leiden und wie wenig dabei herauskommt, wären Tierversuche längst verboten“, ist sich Herzig-Rother sicher.

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