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Pferde sind keine Karussellfiguren

Pressemitteilung, 7. September 2016

Am 19. September berät der Umweltausschuss über den Antrag des Vereins Achtung für Tiere e. V., keine Bürgerflächen mehr für das Kreislaufen von Ponys auf der Kirmes zu vermieten. „Monotones Kreislaufen ist eine Qual. Bei Menschen würden wir das Folter nennen,“ bringt Astrid Reinke, Tierärztin und Vorsitzende von Achtung für Tiere e.V., die Kritik auf den Punkt.

Reinke hatte beim Veterinäramt um Transparenz bezüglich der Kontrollen gebeten. „Schließlich wird immer wieder behauptet, es gäbe keine Beanstandungen.“ Viele Fragen habe der Kreis unbeantwortet gelassen: z. B. wie er prüft, ob und wenn ja was für eine Pause die Pferde bekommen, ob die Tiere im Liegen schlafen können oder angebunden auf dem Anhänger stehen oder in welcher Form sie sich während der Kirmes frei bewegen können. „Uns wurde auch nicht mitgeteilt, wie viel Zeit für die Untersuchung der einzelnen Tiere aufgewendet wird und welche Untersuchungen genau durchgeführt werden“, berichtet Reinke, „die meiste Zeit im Leben eines Karussellpferdes ist kein Amtstierarzt in seiner Nähe.“

Ein Grundproblem sei das Tierschutzgesetz, welches Tierqual zulasse. „Amtstierärzte sind an dieses Gesetz gebunden und müssen Tierleid absegnen. Nicht einmal der Handwechsel der Ponys konnte durchgesetzt werden. Amtstierärztin Dr. Sabine Beckmann hatte dazu 2010 gesagt: „Die derzeitige Praxis, die Ponys stundenlang in dieselbe Richtung trotten zu lassen, ist als absolut verhaltenswidrig einzustufen. Die Tiere leiden physisch und psychisch.“1 Reinke ergänzt: „Pferde bewegen sich in wechselnden Gangarten und Bewegungsmustern, aber nie stupide auf einer Kreisbahn.“

Achtung für Tiere sammelte in der Region bisher über 5.000 Unterschriften gegen die Vermietung öffentlicher Flächen für Ponykarussells. Auch der Deutsche Tierschutzbund lehnt das Ponyreiten ab. Fachreferentin für Pferde, Dr. Esther Müller, weist auf die artwidrige Behandlung der Tiere und die Kontrollprobleme der Aufsichtsbehörde hin.2 Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz kritisiert, „dass den Kindern durch das stupide Im-Kreis-Laufen der Ponys ein Bild vom Pferd vermittelt wird, das aus der Sicht des ethischen Tierschutzes heute nicht mehr zeitgemäß ist.“3

In einem Video vermittelt Achtung für Tiere Eindrücke von Ponykarussells. Es kann unter https://www.youtube.com/watch?v=y9-4_7_7Ydk angesehen werden. Beim Rietberger Karneval, in Paderborn, Düsseldorf, Duisburg, Herne-Crange, Hagen, Eschwege, Dachau und vielen anderen Städten gebe es Kirmes ohne Ponyleid. Gütersloh solle das traurige Schauspiel, welches auch Kirmesgäste bedrückt, ebenfalls beenden. Infos unter www.achtung-fuer-tiere.de.

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1 (http://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/guetersloh/guetersloh/3982214_Nicht-immer-rechts-herum.html, abgerufen am 31.08.2016 Anm. Achtung für Tiere: In den Artikel hat sich ein unwesentlicher Fehler eingeschlichen: Die Pferde laufen links herum.)
2 Dr. Esther Müller, Stellungnahme vom 23. August 2016, gesandt an Herrn Bürgermeister Henning Schulz
3 Franzky, Andreas, Beurteilung von Ponyreitbahnen unter Tierschutzgesichtspunkten, S. 3.

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