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Gesetze schützen nicht vor Leiden

Schulterschluss gegen Tierleid im Zirkus

„Tierschutzmissstände bei Krone müssen Behörden jahrelang bekannt gewesen sein“, sagt Frauke Albersmeier von Achtung für Tiere e.V. nach dem Besuch der Tierschau. 2008 habe das Fernsehen über Missstände berichtet1. Inzwischen habe Krone zwei Reihen neuer Pferdeställe. „Doch was Pferden hier als Lebensraum zugestanden wird, erweist Tierschutzvorschriften als zahnlose Tiger.“

Tierärztin Astrid Reinke ergänzt: „Meine Pferde nutzen jeden Zentimeter ihrer riesigen Weide. Sie rennen mit der ganzen Herde aus purer Lebensfreude los. Bei Krone stehen die Pferde auf etwas Schotter oder Stroh, auf der Stallgasse oder führen vorgeschriebene Bewegungen in der engen Manege aus.“ Dass Behördenvertreter den Käfig von Löwe King Tonga als "geräumigen Freilauf" bezeichnen2, obwohl weder an Losrennen noch ein Toben mit Rudelmitgliedern zu denken ist, beweise, wie wenig Hilfe Tiere im Zirkus erwarten dürfen.

Das Weben der Elefanten gilt als Schaden im Sinne des Tierschutzgesetzes3. Elefant Colonel Joe habe am linken Ellbogen eine Zubildung. In einem Text des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW wird diese Stelle als charakteristisch für eine Verletzung mit dem Elefantenhaken bezeichnet4. Reinke empfiehlt die Informationen und Bilddokumente der Tierrechtsorganisation Peta. Dort kommt auch die Elefantenforscherin Dr. Cynthia Moss zu Wort, die geltend macht, dass ein so großes Tier wie ein Elefant in der Beengtheit eines Zirkus‘ nur mit einer gewissen Art der Grausamkeit kontrolliert werden könne5. 

Die Situation der Tiere im Zirkus sei unkontrollierbar, so Reinke. Zirkus mit Tieren wird von Zoologen und Tierärzten kritisiert. Die Bundestierärztekammer fordert ein Verbot von Wildtieren im Zirkus6. Laut einer GFK-Umfrage lehnen 65% der Deutschen Wildtiere im Zirkus ab7.

Dr. Martina Kuhtz-Böhnke, Tierärztin und ebenfalls bei Achtung für Tiere aktiv, hält die Zirkusleitlinien für mit dem Tierschutzgesetz und erst recht dem Staatsziel Tierschutz unvereinbar. Sie erlauben beispielsweise, Elefanten während der Nacht, zur Vorbereitung auf Vorstellungen und Proben und zu Pflegemaßnahmen an Vorder- und Hinterbein auf Bretterboden anzuketten. „Wie viel Zeit bleibt da noch, in der die Tiere nicht in Ketten sind? Man stelle sich vor, was Colonel Joe anstellen muss, um sich in Fußfesseln auf seinem Brett hinlegen zu können. Und wie wird seine Nacht wohl sein?“

Diverse Organisationen der Region haben sich zu einem Aktionsbündnis Für Zirkus ohne Tierleid zusammengeschlossen. Am Donnerstag, den 26., und Freitag, den 27., August gibt es am Berliner Platz in Gütersloh Informationen zum Thema Zirkus. Am Freitag startet dort um 15.00 Uhr eine Demonstration. Zu allen Veranstaltungen sind die Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.

 

1 vgl. Report Mainz: Qual in der Manege? Zirkus Krone in der Kritik, online unter: http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=4196190/1o78zfw/index.html.

2 vgl. Vermerk des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, 2008 - liegt Achtung für Tiere e.V. vor; Gutachten zur Tierhaltung im Circus Krone, 2008, Minden Lübbecke - liegt Achtung für Tiere e.V. vor.

3 vgl. Pressemitteilung der Bundestierärztekammer vom 22. April 2010, online unter: http://www.bundestieraerztekammer.de/btk/pressestelle/pressemitteilungen/pm_05_2010.htm.

4 vgl. Vermerk des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, 2008 - liegt Achtung für Tiere e.V. vor.

5 vgl. Peta: Die Dressur von Wildtieren, online unter: http://www.peta.de/web/wildtierdressur.2987.html.

6 vgl. Pressemitteilung der Bundestierärztekammer vom 22. April 2010, online unter: http://www.bundestieraerztekammer.de/btk/pressestelle/pressemitteilungen/pm_05_2010.htm.

7 vgl. GfK Marktforschung: Wildtiere im Zirkus, April 2010, online unter: http://www.peta.de/web/zirkus.1838.html.

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