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Für Zirkus ohne Tierleid

Tierärztin kritisiert Zirkus mit Tieren

Meldungen über Tierschutzverstöße in Zirkussen, ungeklärte Todesfälle und Ausbrüche von Tieren rufen nicht nur Tierschützer auf den Plan. Experten kritisieren Lebensbedingungen, die für reisende Zirkusse charakteristisch sind, sowie Dressurmethoden1. Die Bundestierärztekammer fordert ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen2 und Städte wie Kassel vermieten Zirkussen, die bestimmte Tierarten mitführen, keine Flächen3.

Das bevorstehende Gastspiel von Zirkus Krone auf dem Gütersloher Marktplatz hat die Bielefelder Hochschulgruppe Venga, Die Tierfreunde e.V., Bündnis 90/ Die Grünen, den Tierschutzverein Gütersloh und Umgebung e.V. und Achtung für Tiere e.V. veranlasst, sich zu einem Aktionsbündnis "Für Zirkus ohne Tierleid" zusammenzutun. Man möchte mit mehreren Aktionen Bürgerinnen und Bürger darüber informieren, was ein Leben im Zirkus für Tiere bedeutet.

Elefanten, Großkatzen und Pferde würden sich normalerweise täglich viele Kilometer frei bewegen. "Ich habe noch in keinem Zirkus erlebt, dass diese Tiere so einfache Grundbedürfnisse, wie zum Beispiel ein gerades Stück in vollem Tempo zu rennen, ausleben," berichtet Astrid Reinke, Tierärztin und Vorsitzende von Achtung für Tiere e.V.. "Manegetypisches Kreislaufen und Dressur sind kein Ersatz."

Die Tierärztin erinnert daran, dass in Zirkussen Tiere mit zwanghaften Bewegungsmustern, wie Weben oder Koppen, auffallen und andere Körperschäden hätten4. "Webende Tiere sind peinlich für Zirkusse. Fütterung kann sie vorübergehend ablenken. Zirkusse können ihre webenden Pferde bei Bedarf austauschen, doch wie geht es jenen, die aussortiert wurden, und denen, die als nächstes dran sind?"

Die Direktorin von Zirkus Krone wurde wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz verurteilt5. Das Kreisverwaltungsreferat München hat gegen den Zirkus eine Vielzahl von Auflagen wegen Nichterfüllung tierschutzrechtlicher Mindestbestimmungen erlassen6. „Und die Einhaltung von Vorgaben bedeutet nicht Leidensfreiheit. Unser Tierschutzgesetz z.B. erlaubt so grausame Dinge wie Schweinesäuglingen ohne jede Schmerzbetäubung Geschlechtsteile abzuschneiden."

Erst nach hoheitlichem Zwang Mindestbestimmungen zu erfüllen, demonstriere eine Einstellung zu Tieren, die vielen Menschen missfalle, so Reinke. Die Tierschutzprobleme würden auch bei etwas mehr Raum nicht verschwinden. "Wie soll eine Lebenswelt aus Anhängern, Schotterplätzen, Paddocks, Käfigen, Ketten und Dressur artgerecht für irgendein Tier sein?" Die Erfahrung zeige, dass tierärztliche Kontrollen Leiden und Schäden nicht verhindern und dass ihr Reiseverhalten Zirkusse zusätzlich unkontrollierbar mache. Niemand sei Zeuge, wenn Tiere zu Übungen abgerichtet würden, die für sie ängstigend oder schmerzhaft sind.

Reinke erinnert sich: „Ich habe mir selbst einen Eindruck verschafft. Weder bei Krone, noch in anderen Zirkussen habe ich lebensfrohe Tiere erlebt." Viele Menschen bemerkten das. Reinke sieht die Tage von Zirkus mit Tieren gezählt. Der bekannte Zirkus Barum hat seine Tore bereits geschlossen7. Sie habe nichts gegen Zirkusse, sagt Reinke. "Doch sollten sie nicht Tiere in Ketten und Käfige zwingen und zu irgendwelchen Posen abrichten. Ich kann nachvollziehen, dass es mühsam ist, sich beruflich zu verändern, doch sind Zirkusse mit Tieren gut beraten, auf das Tierschutzempfinden der Bevölkerung zu reagieren und sich zukunftsweisend zu verändern."

 

2 Pressemitteilung der Bundestierärztekammer vom 22. 04.2010, online unter: http://www.bundestieraerztekammer.de/datei.htm?filename=pm_05_2010.pdf&themen_id=4849;
4 Peta: Pressekonferenz vom 17.09.2009.
5 Urteil des Amtsgerichts Darmstadt, AZ: 233 Owi-1489 Js 22971/07.
6 Az.TA053/09; Peta: Circus Krone - Chronik, online unter: http://www.peta.de/kronechronik.
7 Wikipedia: Gerd Siemoneit-Barum, http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Siemoneit-Barum.

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