Presse > Pressemitteilungen > Ein drittes Leben - 17. Januar 2012

Ein drittes Leben

Moderne Technik für gelähmten Hund

Pressemitteilung vom 17. Januar 2012
 
Der gemeinnützige Verein Achtung für Tiere e.V. engagiert sich für fairen Umgang mit Tieren in allen Lebensbereichen. Außerdem nimmt er Tiere mit Handicap auf und versorgt sie bis an ihr Lebensende. Die tägliche Vereinsarbeit ist körperlich anstrengend und manchmal auch seelisch belastend. Doch erleben die engagierten Tierfreundinnen und Tierfreunde auch eine Menge schöner Momente und positiver Entwicklungen, die ihnen Kraft und Motivation verleihen. Das Schicksal der kleinen Hündin Luzi ist eins davon:
 
Luzi kam vor Jahren schwerkrank aus einem Tierschutzprojekt von der Insel Kreta. Sie überlebte nach einer langen Therapie. Jahrelang war sie fröhlich und aktiv und wurde „Leitwolf“ für die unter extremen Ängsten leidende Hündin Ayse, die vier Jahre ohne Menschenkontakt gelebt hatte. Nach einer intensiven Verhaltenstherapie besuchten beide Hunde unzählige Schülerinnen und Schüler und vermittelten ihnen im Tierschutzunterricht und bei Ferienspielen Fairness gegenüber Tieren und einen Einblick in die Sprache der Hunde.
 
Mitte 2010 wurde Luzi ängstlich, rutschte öfter aus, stolperte und stürzte. Eine Computertomographie brachte die ausweglose Diagnose Kleinhirndegeneration. Die freundliche, kluge Luzi war immer sehr bewegungsfreudig. Im Frühsommer 2011 konnte sie ihre Hinterbeine kaum noch bewegen. Nach einer kurzen Phase der Ratlosigkeit beschloss der Vorstand von Achtung für Tiere, einen speziell für Luzi gebauten Rollwagen anzuschaffen. Ob sie damit klarkommen würde, war ungewiss.
 
Luzi bekam ein Brust- und Becken-Geschirr sowie Schuhe um die Zehen der gelähmten Hinterbeine zu schützen. Als sie zum ersten Mal in den Wagen geschnallt wurde, war die Anspannung ihrer Menschenfreunde groß, denn die einzige Chance, dass die erst 10-jährige Hündin noch etwas weiterleben konnte, war, dass sie sich wieder mit Freude würde bewegen können. Und Luzi trabte mit ihrem Gefährt los, als hätte sie nie etwas anderes getan. Schon nach kurzer Zeit durfte sie frei laufen und damit selbst entscheiden, welche Richtung sie einschlagen und wo sie schnuppern wollte.
 
„Luzis Pflege ist wirklich anstrengend. Sie ist schon lange inkontinent, was viel Arbeit macht, besonders, wenn man mehrere solcher Tiere zu versorgen hat. Luzi altert schnell und hat Bellanfälle, auch nachts“, erläutert Vorsitzende Astrid Reinke, die die tägliche Tierversorgung im Verein gewährleistet. „Seit Luzi ihren Wagen hat, nimmt sie aber wieder lebhaft Anteil an allem, was um sie herum passiert. Darüber freuen wir uns jeden Tag.“
 
Ein Tier anzuschaffen heiße, ein Familienmitglied aufzunehmen, komme, was wolle, auch Krankheit, Kot- und Urininkontinenz. „Als ich noch als Tierärztin gearbeitet habe, wollten Tierhalter oft, dass ich solche Tiere töte. Sie hatten sich das Leben mit ihrem Tier anders vorgestellt…“ Astrid Reinke möchte Menschen, die Tiere als liebenswerte Mitlebewesen achten, Mut machen. „Eine Hilfe, wie Luzi sie bekommen hat, kann auch anderen Hunden in einer solchen Situation noch ein gutes Leben ermöglichen. Luzi ist total fröhlich, wenn sie mit ihrem Wägelchen unterwegs ist. Und zuhause im Körbchen spielen sie und Ayse nun im Liegen. Die Hunde sind klug und haben sich mit den geänderten Bedingungen arrangiert.“
 
Über den Verein:
Sämtliche Aktivitäten und die Versorgung der Tiere des gemeinnützigen Vereins Achtung für Tiere e.V. finden in einem Siedlungshaus in Gütersloh statt. Fast 20 Tiere leben nicht in Zwingern, sondern mit den Menschen im Haus. Die Situation ist beengt und teilweise schwierig zu händeln. „Der Verein würde gerne in ein ländliches Anwesen mit mehr Platz umziehen. Hierfür fehlen uns allerdings erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen, weshalb wir uns behelfen müssen“, kommentiert Reinke.
 
Die Aktivitäten von Achtung für Tiere sind generationenverbindend angelegt: In der Jugendgruppe arbeiten Jung bis Alt zusammen. Die Jugendgruppe wirkt beim Gottesdienst für Mensch und Tier in der Bielefelder Senne und anderen Veranstaltungen mit und Seniorinnen beteiligen sich an allen Vereinsaktivitäten. Neu ist ein monatlicher Tierschutz-Stammtisch, vorerst in Gütersloh, der Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen und unverbindlichem Kennenlernen gibt.
 
Achtung für Tiere erledigt seine gesamte Arbeit ausschließlich mit Hilfe freiwilliger Spenden, weshalb jeden Tag viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet werden. Wer mehr über Luzis Alltag und ihren Rollwagen erfahren, die Vereinsarbeit unterstützen oder aktiv mithelfen möchte, erfährt Näheres unter www.achtung-fuer-tiere.de, info@achtung-fuer.-tiere.de oder Tel: 05241-238467.

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