Presse > Pressemitteilungen > Das wahre Gesicht der Jagd - 14. Dezember 2018

Das wahre Gesicht der Jagd

Pressemitteilung vom 14. Dezember 2018

Mittwoch, 12.Dezember, 15.55 Uhr: Tierärztin Astrid Reinke, Vorsitzende von Achtung für Tiere e. V., will gerade den Lebenshof in Varensell verlassen, da dröhnen Schüsse von der Weide her, Pfeifen und grölende Stimmen. „Jäger!“ schießt es ihr durch den Kopf. Angekündigt hatte ihr niemand den Jagdtermin, obwohl bekannt ist, dass hier Esel und Pferde in Offenstallhaltung leben. Direkt hinter dem Weidezaun knallten ohrenbetäubende Schüsse, „als müsse man sich des Angriffs einer Herde Mammuts erwehren“, schildert Reinke. „Tatsächlich rannten auf dem Acker hinter unserer Weide Hasen und Fasane vergeblich um ihr Leben, Tauben flogen auf, bevor sie verletzt flatternd niedergingen. Begleitet wurde dieses Schreckensszenario vom Lachen der Männer, die dort Leid und Tod verbreiteten.“

Die Pferde gerieten durch Gejohle, Schüsse und Hundegebell in Panik. Statt zum schützenden Stall rannten sie auf der Weide in Sackgassen. Reinke versuchte zunächst erfolglos, die Tiere in Richtung Stall zu treiben. „Die 13 Jäger müssen das mitbekommen haben, sie waren ja direkt neben unserem Zaun. Sie böllerten rücksichtslos weiter, brüllten, Hunde bellten, Pfeifen schrillten – ein Tohuwabohu! „Schließlich konnten mein Mann und ich die Tiere in den Stall treiben und sichern. Sehenden Auges die laufenden Pferde weiter zu ängstigen, war völlig verantwortungslos“, meint Reinke. Ihrer Ansicht nach waren die Jäger entweder so im Tötungsrausch, dass sie die Situation nicht erkannten, oder sie schossen mutwillig weiter, um die Pferde zu erschrecken.

„Die Horde grölender Männer - Tierleichen baumelten an ihren Bäuchen - trieb wehrlose, angsterfüllte Tiere vor sich her, hetzte Hunde auf sie und lachte sich kaputt.“ Was sich vergangenen Mittwoch in Varensell abspielte, habe nichts zu tun gehabt mit Hege, mit Liebe zur Natur oder Achtung vor dem Leben, auf die sich Jäger in den Medien oder in Schulen gern beriefen. „Ich habe vielmehr bahnbrechende Freude daran bemerkt, Tieren Todesangst zu bereiten, sie auf der vergeblichen Flucht zu verletzen oder zu töten. Wie kann man Freude empfinden und lachen, während jemand leidet und stirbt, während man tötet? Ich finde das abstoßend. Es ist lebensverachtend.“

2017 hatten Reinkes einen Antrag auf Befriedung ihres Landes gestellt. „Das ist jedermanns gutes Recht. Vorangegangen war u.a., dass ich neben einem Feldweg eine verletzte Katze in einer rostigen, nicht abgedeckten Falle gefunden hatte. Schlimm ist auch, dass wir bis 2024 Zwangsmitglied in einer Jagdgenossenschaft sind, nur weil wir den Hof gekauft haben. Das wurde uns weder mitgeteilt, noch wurden wir zu Versammlungen eingeladen. Wir wussten davon gar nichts.“

Das Ansehen der Jagd sinke zu Recht. „Tiere sind Lebewesen wie wir, keine „Stücke“, ihre Leichen keine „Strecke“, ihre Augen keine „Lichter“, die man ausknipst.“ Reinke kenne Grundbesitzer, die ihr Land gerne befrieden lassen würden, sich aber nicht trauen, weil sie die Rache der Jäger fürchteten. „Uns hat man auch einzuschüchtern versucht, z. B. mit der Androhung hoher Kosten. Und das barbarische Treiben kann Angst machen. Mir hat beim Gang mit unseren Hunden ein Jäger einmal wörtlich gesagt: ‚Passen Sie bloß auf, dass Sie keine Kugel abkriegen!“. Angst verbreiten, Machtdemonstration und Gewaltverherrlichung, das ist Jagd. In einem Land, das über Gewalt klagt. Und die CDU will die Jagdvorschriften noch lockern!“

Das grausame Treiben auf dem eigenen Boden zu dulden sei keine Option, meint Reinke. „Die Tiere können sich gegen die Grausamkeit der Jagd nicht wehren, aber wir können das. Niemand sollte aus Angst vor Anfeindungen auf sein gutes Recht verzichten. Dieses Gemetzel muss niemand dulden."

Infos unter www.achtung-fuer-tiere.de oder 0152-27199234.

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