Vorbemerkungen
Interessengruppen, deren Umgang mit Tieren in unserer Gesellschaft umstritten ist, treten z.B. im Rahmen der Öffnung von Schule und des zunehmenden Ganztags professionell an Schulen heran. Lehrkräfte sind keine Fachkräfte für Tierschutz. Sie sind zudem mit didaktischen, pädagogischen, administrativen und anderen Aufgaben häufig ausgelastet. Tierschutzrelevante Themen werden während der Ausbildung an den wenigsten Universitäten ihrer gesellschaftlichen Relevanz entsprechend gewürdigt. Fehlerhafte und interessengeleitete Informationen oder auch das Weglassen unliebsamer Tatsachen können nicht immer erkannt werden.
Für eine Lehrkraft ohne tiermedizinisches Fachwissen (und erst recht für Schülerinnen und Schüler) ist es schwierig, im Zoo oder Zirkus organisch oder psychisch kranke Tiere zu identifizieren. Realistisch beurteilen zu können, welche Leiden ein Leben im Zoo oder unter Zirkusbedingungen bei Tieren verschiedener Arten verursacht, ist ebenfalls nicht jedem möglich. Von den Leiden der Tiere für die Fleisch- oder Milchproduktion, durch die Jagd und bei Tierversuchen erfahren die Schülerinnen und Schüler meist wenig, wenn diejenigen, die davon profitieren, die jeweilige Nutzungsform der Tiere präsentieren.
Auch bei der Sicht auf die Mensch-Tier-Beziehung sind zeitgenössische Bildungsvorstellungen und gesetzliche Vorschriften, die den Erziehungs- und Bildungsauftrag umreißen, zugrunde zu legen. Uns erscheint unverzichtbar, die gesellschaftliche Kontroverse zum leidvollen Umgang mit Tieren in der Schule wahrheitsgemäß aufzugreifen. Schülerinnen und Schülern ist die kritische Reflexion der Traditionen, die für Tiere mit Leiden verbunden sind, zu ermöglichen. Dass man von einer solchen Atmosphäre bisweilen noch weit entfernt ist, zeigen Erlebnisberichte von Lernenden über Zirkusprojekte, Lernort Bauernhof, Die Rollende Waldschule, Zooschule usw. Häufig werden die Leiden der Tiere nicht oder nur untergeordnet thematisiert.
Unser Anliegen ist, kritisches Nachdenken über den Umgang mit Tieren anzuregen, auch oder gerade, weil bestimmte Nutzungsformen eine lange Tradition haben. Argumente sollen daraufhin untersucht werden, ob sie logisch und seriös sind. Wir möchten einen Perspektivenwechsel zu den Tieren hin ermöglichen und prüfen, ob unser Umgang mit ihnen mit heutigem moralischen Denken und Empfinden noch vereinbar ist. Wir informieren auch über einige wenig bekannte Fakten. Wir möchten die emotionale Intelligenz ansprechen und soziale Kompetenzen fördern. Einfühlungsvermögen, Fairness, Zivilcourage – das Eintreten für Schwächere, selbst gegen eine Mehrheit und wenn man belächelt wird, sind hochrangige Qualitäten und Kompetenzen, die durch die Reflexion unseres Umgangs mit Tieren intensiv gefördert werden können.
Unser
Material gibt den Interessen der Tiere viel Raum, da diese nicht für
sich selbst sprechen können. Das erscheint uns auch deshalb geboten,
weil unsere Mittel und Möglichkeiten im Verhältnis zu den
Interessengruppen, die Tiere für ihre Zwecke nutzen und für ihre
Schulprojekte häufig erhebliche Steuermittel erhalten, minimal sind.
Dieses
Unterrichtsmaterial wurde und wird von allen beteiligten Personen in
unzähligen Stunden ehrenamtlich in der knappen Zeit neben ihren
beruflichen Verpflichtungen erstellt. Das Wenige, was wir mit unserem
Ehrenamt und freiwilligen Spenden produzieren können, betrachten wir als
kleines Gegengewicht des David gegenüber Goliath.
Es
ist ein erster Versuch, nicht fehler- und mängelfrei. Wir freuen uns
über Menschen, die uns helfen, diesen Anfang fortzusetzen und die
Ergebnisse zu verbessern, die bei uns mitmachen möchten oder uns
konstruktiv kritisieren.