Von klein auf lagen mir Tiere sehr am Herzen. Ich war bemüht, die Tiere, die bei mir lebten, ihren Bedürfnissen entsprechen zu behandeln, auch wenn ich mit heutigem Wissen einige Dinge doch noch anders machen würde. Gerade als Tierschützer sollte man sein Denken und Handeln gegenüber den Tieren ständig infrage stellen, denn im Gegensatz zu den meisten Menschen, die immerhin um Hilfe bitten können, müssen Tiere jede Ungerechtigkeit wehrlos hinnehmen. Bei einigen Menschen, die sich für tierlieb halten, erlebe ich eine gewisse Selbstgerechtigkeit, die möglicherweise auf Angst beruht: Fehler, die man schon seit Jahrzehnten macht, mag man vielleicht nicht als solche erkennen und es fällt leichter, sie stattdessen auf Kosten der Tiere fortzusetzen. Wem Tiere tatsächlich wichtig sind, der kommt nicht umhin, sich seine eigene Fehlbarkeit einzugestehen und immer dazuzulernen.
Nach einigen Jahren, in denen ich es begeistert betrieben hatte, gab ich schließlich das Reiten auf. Es schien mir nicht richtig, Tiere zu meinem persönlichen Vergnügen zu benutzen. Verbreitete Missstände im Reitsport wie die Verwendung lahmender Pferde im Unterricht oder die Haltung in engen Käfigen, unterbrochen nur durch Bewegung nach Lust und Laune des Reiters, mögen einen Anstoß gegeben haben – aber mein Problem mit der Benutzung von Tieren war grundsätzlicher Art.
Während ich, schon seit ich davon wusste, gegen Tierversuche und andere Tiernutzung war, habe ich doch noch relativ lange Fleisch gegessen. Von Tierversuchen erfährt man erst im Laufe des Lebens. Sie finden auch nicht direkt vor unseren Augen statt – Fleisch wird den meisten von uns aufgetischt, sobald der erste Zahn wächst. Sich von etwas zu distanzieren, das einem als so normal präsentiert wird und in das man so eng verstrickt ist, fällt schwer. Als Kind hatte ich schon einmal eine kurze Zeit vegetarisch gelebt. Als ich das Fleischessen vor einigen Jahren erneut, dieses Mal endgültig, aufgegeben habe, gab es dafür keinen bestimmten Auslöser; es war einfach Ergebnis der Beschäftigung mit der unausweichlichen Frage, ob meine bisherigen Gründe, Fleisch zu essen, tragfähig waren.
Schon als Kind versuchte ich, manche Unterschriftenliste für die Sache der Tiere zu füllen. Neben Wortmeldungen in der Schule und Leserbriefen zu Tierleid verharmlosenden Presseartikeln fehlte mir lange eine konkrete Einstiegsgelegenheit für ein regelmäßiges Engagement für Tiere.
Dann trat ich der AG gegen Tierversuche der Uni Bielefeld bei und lernte dort Astrid Reinke kennen. Nach etwa einem Jahr gemeinsamer Arbeit in der AG machte mir Astrid den Vorschlag, gemeinsam mit ihr und anderen einen Verein zu gründen, der karitativen Tierschutz mit Aufklärung und Engagement für eine gerechte Behandlung von Tieren verbindet. Ich war sofort dabei.
Die mühsame Aufbauarbeit der ersten Monate hatte ich zwar unterschätzt, aber ich wünsche mir nie, lieber nicht mitgemacht zu haben. Einen Verein erst aufbauen zu müssen, heißt auch, viele Richtungsentscheidungen treffen zu dürfen – diese Gestaltungsfreiheit gefällt mir sehr, in einer großen Organisation hätte ich sie nicht gehabt.
In einem Jahr bei Achtung für Tiere habe ich mehr gelernt als in vielen Schuljahren. Was wir mit einer kleinen Gruppe bereits bewältigt haben, lässt für die Zukunft viel erwarten, denn der Verein wächst bereits jetzt, wenn auch langsam, kontinuierlich.
Jetzt führe ich Tätigkeiten für die Tiere aus, wie ich sie mir lange gewünscht habe, als ich noch keine klare Vorstellung davon hatte, wie und wo und mit wem so etwas anzustellen sein könnte. Wenn ich mir unser bisheriges Pensum betrachte, bin ich sicher, dass wir auch noch die vielen Ideen für Tierschutzaktivitäten, die wir bislang aus Zeitmangel aufschieben mussten, verwirklichen werden.