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Stellungnahme zu einer Tagung von Tierexperimentatoren

Tierexperimentatoren fügen hilflosen Lebewesen regelmäßig Schmerzen zu und beobachten wie diese leiden und sterben. Doch die Tierversuchsbefürworterlobby versucht ihrem Berufszweig ein positives Image zu geben. Auf der Website der Gesellschaft für Versuchstierkunde (GV-Solas), ist von »einer vertieften Verantwortung für das Mitgeschöpf Tier« die Rede und von »der Verpflichtung, mit dem Tier in Forschung und Lehre tierschutzgerecht umzugehen.« Auch in einer Broschüre der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die Tierversuchsprojekte umfangreich fördert, werden Tierexperimentatoren als mit großer ethischer Verantwortung und Sensibilität ausgestattet dargestellt. Ob sie die Schmerzen und Leiden der Versuchstiere aber überhaupt noch bemerken und ob sie sich um Linderung bemühen, bleibt in der Realität mangels Überwachung ihrer Eigenverantwortung überlassen.

Die häufig mit Steuergeldern finanzierten Werbeauftritte der Tierversuchsbefürworter zu durchschauen ist schwierig, das Quälen wehr- und sprachloser Lebewesen einfach und die Angst der Menschen vor Krankheit und Tod groß. Wer sich gegen Tierversuche engagiert, muss deshalb sehr gut informiert sein und sich mit aktuellen Argumenten und Strategien der Gegenseite auseinandersetzen. Tierärztin Astrid Reinke nahm deshalb im September 2004 an einer Fortbildungsveranstaltung für Tierexperimentatoren teil. Lesen Sie ihre Stellungnahme:

Am 20. und 21. 09.04 fand in Berlin im Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) eine Fortbildungsveranstaltung für Tierexperimentatoren statt. Sie trug den Arbeitstitel »Verminderung von Belastung im Tierversuch«.

Im Tierschutzgesetz wird unsere Verantwortung für das Tier als Mitgeschöpf betont und der Tierschutz hat seit fast drei Jahren Verfassungsrang. Ich erwartete, von intensiven Bestrebungen zur Leidensminderung der Tiere zu hören und von Bestrebungen Tierversuche insgesamt zu reduzieren.

Doch der Inhalt der Veranstaltung war ein anderer: Dr. Kroczek wies im Verlauf seines Referates darauf hin, dass man seit 10 Jahren eine Renaissance des Tierversuchs erlebe. Für die tierexperimentelle Forschung ergäben sich besonders durch neue Verfahren in der Molekularbiologie und Gentechnik sowie bessere Analysetechniken neue Möglichkeiten. Die Ursache für Misserfolge bei Tierversuchen läge oft in schlechten Konzepten. Man müsse vorher wissen, wo man ankommen wolle. Auch die Masse der Daten sei ein Problem. Anm.: Viele Versuchstiere leiden und sterben vergeblich aufgrund von Nachlässigkeit der Experimentatoren. Gewonnene Daten werden nicht adäquat genutzt. Dies kann Menschenleben gefährden und stellt Steuerverschwendung dar.

Von anderen Referenten wurde behauptet, man müsse unbedingt immer wieder die gleichen Versuche machen und es werde nie ohne Tierversuche gehen. Erkenntnisse zur Komplexität des Immunsystems können nicht in vitro (»Im Reagenzglas«) erlangt werden. Anm.: Toxikologen bezeichneten jahrzehntelang den Tierversuch als einzige Möglichkeit, die Wirkung von Substanzen auf den Menschen einschätzen zu können. Dies hat z.B. die Erkenntnisse, dass Zigarettenrauch oder Asbest krebserregend sind, verzögert. Mittlerweile gibt es etliche Verfahren, die bessere Aussagen als Tierversuche liefern. Tierexperimentatoren müssen verpflichtet werden, sich regelmäßig und eingehend mit tierversuchsfreien Verfahren zu befassen. Ansonsten können sie das Potential dieser zukunftsweisenden Forschung nicht ermessen und natürlich auch nicht erfolgreich anwenden. Zur Zeit wird ein Mikrochip entwickelt, der mit Hilfe verschiedener Zellkulturen die Vorgänge in einem Gesamtorganismus simulieren kann. Wer ernsthaft nach tierversuchsfreien Verfahren sucht, der findet sie auch.1

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde überwiegend beschrieben, wie menschliche Krankheitssymptome bei Tieren künstlich erzeugt werden, mehrheitlich mit Hilfe gentechnischer Verfahren. Auf die Frage eines Seminarteilnehmers, welche Schlüsse man daraus für den Menschen ziehen könne, konnte z.B. Dr. Krüger keine Auskunft geben. Das herauszufinden sei nicht seine Intention gewesen. Andere Zuhörer fragten nach der Untersuchung verschiedener Gewebe. Der Referent antwortete, man habe z.B. Tonsillen, Milz, die hinteren Darmabschnitte, die Ausscheidungen der toten Versuchstiere nicht untersucht. Das sei aber eine interessante Frage. Anm: Wenn Tierversuche gemacht worden und Tiere gestorben sind, sollte eine gründliche Untersuchung der Auswirkung des Versuchs auf sämtliche Organe selbstverständlich sein. Anderenfalls sorgt man für die Durchführung endloser Folgeprojekte. Diese kosten, besonders in der Grundlagenforschung, um die es bei dem Seminar in erster Linie ging, den Steuerzahler erneut Geld und verursachen neues Tierleid.

Dr. Baier berichtete über seine »Tiermodelle« für Prion-Erkrankungen. Die Mäuse stürben innerhalb 84 Tagen. Im Endstadium zeigten sie struppiges Fell, Lähmungen, könnten kein Wasser mehr aufnehmen. Sie stürben dann innerhalb 24 Stunden. Wenn dieses Stadium erreicht sei, kürze man den Prozess ab und töte die Tiere. Anm.: Was mag ein Lebewesen durchlitten haben, bis es für die vergleichsweise schlecht ausgebildeten menschlichen Sinnesorgane bemerkbar das »Endstadium« erreicht hat? Leiden von Tieren sind für Menschen schwer wahrnehmbar. Das gilt umso mehr, je kleiner die Tiere sind und je weniger persönlichen Kontakt der Mensch zu ihnen hat. Tiere äußern ihre Beschwerden nicht in menschlicher Weise, leiden jedoch trotzdem. Tierexperimentatoren, deren Alltag aus dem Zufügen von Leiden und der Beobachtung sterbender Tiere besteht, sind einem Abstumpfungsprozess unterworfen, dem es bewusst entgegenzuwirken gilt. Uneinigkeit bestand darüber, ob für die Untersuchung der Eigenschaften der Erbanlagen von Mäusen das Abschneiden der Schwanzspitze nötig sei und in welchem Alter, um Narkose und Wundversorgung zu sparen, oder ob das Material der Ohrlochung dafür geeignet sei. Anm.: Es ist unverständlich, dass selbst solche Basistätigkeiten nicht nach einem einheitlichen, möglichst tierschonenden Verfahren durchgeführt werden. Die in der Pause von Dr. Manz geäußerte Ansicht, die Ohrlochung sei nicht schmerzhaft, stimmt nicht. Ich empfehle hierzu den Fernsehbericht »Schlaglicht - Der Mäusepalast«, SWR 2004 über die neue Tierversuchsanlage in Erlangen. Darin markiert eine Laborantin mehrfach die Ohren einer Maus, wobei das Tier am ganzen Körper zusammenzuckt, obwohl es schon so fixiert ist, dass es sich kaum noch bewegen kann.

Der Referent Dr. Schäfer benutzt Meerschweinchen zur Bestätigung von In-vitro-Daten. Anm.: Wann jemals musste ein Tierversuch durch andere Methoden bestätigt werden? Die Methode Tierversuch wurde hinsichtlich ihrer Aussagekraft und Unschädlichkeit nie überprüft. Den tierversuchsfreien Verfahren werden Schwierigkeiten in den Weg gelegt, die es für Tierversuche nie gegeben hat. Neue Methoden werden bezüglich ihrer Aussagekraft an einer alten gemessen, deren Aussagekraft nie belegt wurde, in vielen Bereichen jedoch in Sackgassen und zu schweren Gesundheitsschäden geführt hat. Ich erinnere nur an die Contergankatastrophe und die erfolglose Suche nach einem AIDS-Impfstoff.

Bezüglich der Krebsforschung verweise ich auf die noch folgende Aussage von Dr. Blankenstein. Dass sich jahrelange Bemühungen zur »Herstellung« einer gentechnisch veränderten Knock-out-Maus als Sackgasse herausstellten, da die »hergestellten« Tiere das Embryonalstadium nicht überlebten, wurde beiläufig erwähnt. Man ist jetzt auf andere »Modelle« umgeschwenkt, die wenigstens bis zur Geburt überleben, jedoch danach versterben, da sie z.B. bewegungsunfähig sind. Die Forscher finden solche Beobachtungen »interessant«. Überlegungen zu den Leiden oder der Leidensbegrenzung der Tiere klingen nicht an. Ebenso fehlt der Bezug zur menschlichen Gesundheit sowie die Reflexion über vergeblich investierte Forschungsgelder.

Frau Dr. Schweiger stellte ihre tierexperimentelle Arbeit mit Frettchen und Mäusen im Zusammenhang mit der menschlichen Grippe dar. Die Mäuse sterben innerhalb 21 Tagen an den Symptomen einer Grippe-Infektion. Zum Schluss sind sie bis auf 15 g abgemagert. Der Einwurf, ob denn der Versuch bis zum Ende durchgehalten werden müsse oder man nicht erwägen solle, die Tiere im Hinblick auf ihre Belastung eher zu töten, traf die Referentin überraschend. Nach kurzem Zögern entgegnete sie nur schroff, das wäre zu überlegen und verließ anschließend die Bühne. Die Überlegung schien ihr völlig neu und bedeutungslos zu sein.

Man bedenke, dass Deutschland ein Tierschutzgesetz hat, der Tierschutz im Grundgesetz verankert ist und wir uns auf einem Seminar zur Belastungsverminderung im Tierversuch befanden. Für Gleichgültigkeit gegenüber dem Versuchstier gibt es keine Entschuldigung! Nicht auszudenken, was in den Labors geschehen kann, wenn Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, Leiden zu erkennen und zu verhindern, ohne Kontrolle mit Tieren arbeiten dürfen. Fraglich ist auch, ob diese Experimentatoren Leiden bei Menschen noch erkennen und minimieren. Kein Seminarteilnehmer hat die Reaktion und die Arbeitsweise der Experimentatorin kritisiert.

Am nächsten Tag sprach mich unter vier Augen eine Pharmakologin an: Sie fände es gut, dass ich anwesend sei. Sie sei enttäuscht von dem Seminar, da sie Neuerungen zur Belastungsverminderung der Tiere erwartet hatte, die jedoch gänzlich fehlten. Ich bat die Teilnehmerin, dies doch öffentlich zu äußern. Ich als Tierversuchsgegner sei nicht einmal Adressat dieser Veranstaltung. Ihr war übrigens die desinteressierte Reaktion von Frau Dr. Schweiger aufgefallen. Öffentlich Kritik üben wollte sie jedoch lieber nicht. Offensichtlich scheuen sich Tierexperimentatoren untereinander Tierschutzaspekte zu erörtern. Beklemmend, dass eine junge Frau nicht wagt, eine kritische Bemerkung zu machen. Vermutlich hat sie berechtigte Angst um Stelle und Karriere. Letztlich haben die Versuchstiere und vielleicht auch Menschen die Konsequenzen dieser Angst zu tragen.

Dr. Manz stellte die enge Verzahnung staatlicher Forschungsinstitute mit der Industrie dar. Wissenschaft drücke sich in Publikationen aus und gute Forschung werde aus den verschiedensten Quellen weiterfinanziert. Anm.: Die Anzahl von Publikationen soll ein Maß für die Bewertung von Forschung sein. Das ist weder im Interesse des Tierschutzes, noch des Steuerzahlers, noch des Patienten. Vielmehr ist dringend notwendig, die eingesetzten Geldsummen, die gebundene Arbeitskraft, das erzeugte Tierleid und demgegenüber die konkreten Erfolge für die menschliche Gesundheit ins Verhältnis zu setzen.

Ich betone hier »Gesundheit«. Es kann nicht darum gehen, als Erfolg die Behandlung einer Krankheit durch die Produkte der Pharmaindustrie anzuführen. Viel wichtiger ist die Gesunderhaltung der Bevölkerung. Was hat die tierexperimentelle Forschung hier geleistet und in welchem Verhältnis steht dies zum Aufwand? Da bereits eine intensive Zusammenarbeit mit der Industrie existiert und der Schwerpunkt der Forschungen offensichtlich auf der Behandlung statt der Prävention von Krankheiten liegt, besteht die Gefahr, dass im eigenen Interesse und nicht dem des Menschen geforscht wird. Große Teile der Forschungskapazität nimmt die künstliche Herbeiführung von Symptomen im Tier ein. Da die Symptomerzeugung häufig nicht gelingt oder zumindest sehr langwierig ist, erschließt sich den Tierexperimentatoren ein endloses Betätigungsfeld. Statt Krankheiten zu verhindern, werden deren Symptome mit Hilfe der Industrieprodukte und der eigenen Forschungsarbeit oft vergeblich zu behandeln versucht. Das eigene Einkommen zu sichern, ist eine verständliche Motivation. Es gilt jedoch zu beweisen, dass sie in diesem Fall nicht zu Lasten der Solidargemeinschaft und der Versuchstiere geht. Die künstliche Erzeugung z.B. von Herz-Kreislaufkrankheiten, Krebs oder Diabetes im Versuchstier hat nicht verhindern können, dass die Erkrankungs- bzw. Sterberaten bei diesen Krankheiten steigen. Ist es angesichts dieser Tatsache nicht an der Zeit sich grundsätzlich Gedanken über die Aussagekraft des »Tiermodells« zu machen? 2

Frau Dr. Berek-Jack befand die Maus als »sehr schönes Modell« im Bereich der Rheumaforschung, allerdings sei ihre Erkrankung sehr unterschiedlich zur menschlichen. Deshalb forsche sie nicht über die Therapie beim Menschen. Ihr Kollege, Dr. Scheffold, behauptete jedoch, die rheumatoide Arthritis stelle sich bei der Maus ähnlich wie beim Menschen dar. Die Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf die Situation beim Menschen wird scheinbar so ausgelegt, wie es für das jeweilige Experiment günstig erscheint.

Gefragt nach der Schmerzbehandlung der Mäuse, erhielten wir die Antwort, eine Schmerztherapie erfolge nicht, die Injektionen ins Gelenk, die die schmerzhafte Arthritis verursachten, würden jeweils nur an einem Knie durchgeführt. Wer einmal eine Arthritis mit Knorpelzerstörung gehabt hat, wird der Ansicht sein, dass der Schmerz auch an einem Gelenk beträchtlich ist. Anm.: Da der Moderator Dr. Manz darum bat, die Diskussion zur Schmerztherapie mit Dr. Scheffold in der Pause zu führen, fand sie nicht vor dem Auditorium statt. Man beachte, dass das Thema der Arbeitstagung »Verminderung von Belastung im Tierversuch« lautete, die Diskussion über die Belastung der Versuchstiere jedoch nicht erwünscht war.

Auch beim Max-Delbrück-Zentrum (MDC) rühmte man sich zwischen 1989 und 1998 einen Anstieg der Publikationen von 100 auf 1500 verzeichnen zu können. Anm.: Wie viele Menschen hat man dadurch gesund erhalten und wie viele geheilt? Erst 10% aller Gene der Maus seien inaktivierbar, es gebe noch viel Forschungsbedarf. Anm.: Bevor diese Forschung weitergeht, muss eruiert werden, wie viele Menschenleben die Inaktivierung der Gene bei der Maus retten wird. Prof. Willnow vom MDC berichtete über Erfahrungen mit »Tiermodellen« im Bereich der Nierenerkrankungen und deren Behandlung. Dafür benötigte er Mäuse, Ratten und Meerschweinchen, da jede Tierart nur einzelne der gewünschten Symptome, wie Nierenschaden, Knochenerweichung oder Gehörschädigung ausprägt. Anm.: Der Mensch ist allerdings keine Kreuzung aus Maus, Ratte und Meerschweinchen! Weiter wurde berichtet, das Säugergenom bestehe aus 30.000 - 40.000 Genen, die zu 50% funktionell charakterisiert seien. Neue Gene seien aufzuschlüsseln, was bei einem Gen mehrere Jahre dauern könne. Eine Tierleid-Kosten-Nutzen-Bewertung wurde vermieden. Versuchstiere wurden üblicherweise als »Modelle«, »Werkzeug«, »Material« oder »Systeme« bezeichnet. Von ihren Leiden wurde nicht gesprochen. Sie wurden gentechnisch »hergestellt«.

Anm.: Die Wortwahl »Belastung« verharmlost die Situation der Versuchstiere erheblich. Wenn ich eine schwere Einkaufstasche trage, dann bin ich belastet. Für das, was Tiere im Tierversuch ertragen müssen, ist »Belastung« sicher keine angemessene Bezeichnung. Die Wortwahl der Tierexperimentatoren trägt erheblich dazu bei, das Tier in ihrer Vorstellung zu einer Sache werden zu lassen, mit der man kein Mitleid haben muss. So fällt es leichter, ohne Mitgefühl zu arbeiten.

Dr. Blankenstein nannte die Erfolge der Krebsforschung der letzten 20 Jahre »mehr als bescheiden«. Seine Schlussfolgerung, es bestünde deshalb großer Bedarf an weiterer Tierversuchsforschung ist nicht logisch nachzuvollziehen. Die Tumorabstoßung ließe sich »am Mausmodell wunderbar darstellen«. Anm.: Was nützt uns das, wenn trotzdem nach seinen eigenen Worten mittlerweile jeder dritte Todesfall in der westlichen Welt ein Krebstodesfall ist? Wesentlich Erfolg versprechender ist, mindestens zwei Drittel der Krebserkrankungen durch Prävention zu verhindern.3

Bei der Darstellung der Tierhaltungen in den drei Instituten gaben die Referenten der Beschreibung der Mitarbeiterräume, der Desinfektion, der Frequenz der Liefertermine für Versuchstiere, der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen oder auch der Regeln, an die sich die Tierpfleger zu halten haben, wesentlich mehr Raum als der eigentlichen Tierhaltung. Die Verminderung der Belastung wurde auch in diesem Zusammenhang nicht angesprochen. Frau Dr. Jacobi befand eine Bereicherung des Lebensraums nur für Tiere erwähnenswert, bei denen es Probleme mit der Nachzucht gebe.

Abschließend ist festzustellen, dass kein einziger Beitrag dieser Veranstaltung das Thema »Verminderung der Belastung im Tierversuch« behandelte. Sollte man möglicherweise nach außen ein Tierschutzengagement demonstrieren wollen, welches in Wirklichkeit weder bei Referenten noch Zuhörern vorhanden ist? Auch der Präsident der GV-Solas, Dr. Brandstetter, war bei der Tagung in Berlin zugegen, sah sich aber zu keiner Kritik am Seminarablauf veranlasst.

Dass man seit vielen Jahren versucht, das Immunsystem oder das Gehirn zu verstehen, den Krebs oder AIDS zu besiegen, alles mit wenig konkretem Erfolg für die Menschheit, jedoch unendlichem Tierleid und genauso viel Steuergeldern, muss jeden gewissenhaften Forscher veranlassen, sein Tun in Frage zu stellen.

Dass psychische Einflüsse bei Entstehung, Verlauf und Behandlung von Krankheit wesentlichen Einfluss ausüben, ist bekannt. Das Versuchstier kann hierüber keine Auskunft geben. Wenn der Experimentator Krankheitserscheinungen bei Versuchstieren wahrnimmt, sind die Tiere in Wirklichkeit schon lange krank. Die Andersartigkeit des Tieres lässt uns nicht abschätzen, welche Symptomatik in ihm tatsächlich abläuft.

Die Tatsache, dass die Krebsforschung wenig erfolgreich ist, die Entstehung von mindestens zwei Dritteln der Krebserkrankungen jedoch von vornherein verhindert werden könnte, zeigt in welche Richtung die Bemühungen gehen müssen. In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk aus dem Jahre 2003 kritisiert Prof. Schwartz von der Medizinischen Hochschule Hannover, Mediziner redeten den Leuten ein, »dass es für jede Krankheit eine Reparaturmöglichkeit gibt, was nicht stimmt«. Er wirft der Medizin vor, sich nicht für Vorbeugung einzusetzen, weil sie mit kranken Menschen mehr Geld verdiene. Bis zu 80% aller Krankheiten seien nämlich nicht heilbar.

Tierversuchsgegner sehen sich häufig dem Vorwurf gegenüber, ihre Schilderung des Tierleids sei übertrieben. Experimentatoren täten, was möglich sei, die »Belastung« der Tiere zu vermindern. Doch weder Referenten noch Teilnehmer des Seminars zeigten hieran Interesse. Die Referate und Diskussionsbeiträge dieser BfR-Veranstaltung zielten ausschließlich darauf ab, Tierversuche zu rechtfertigen, sie intensiv fortzuführen und auszubauen. Es darf jedoch nicht Zweck der Wissenschaft sein, um ihrer selbst willen zu forschen. Angesichts der Förderung aus Steuermitteln sowie des immensen Arbeits- und Tiereinsatzes muss der Gesamterfolg der tierexperimentellen Forschung dringend hinterfragt werden.

Seriöse Wissenschaftler dürfen sich nicht scheuen, den objektiven Erfolg Ihrer Arbeit überprüfen zu lassen und dem Aufwand gegenüberzustellen. Andernfalls muss befürchtet werden, dass etablierte Institutionen und Forschungsmethoden auf Kosten des Steuerzahlers und des Patienten sowie der Versuchstiere beibehalten werden, obwohl ihr Aufwand in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen steht.

Astrid Reinke

Literatur

1 Freedman,D., Barry,D., Versuchskaninchen aus Silizium, Übersetzung Will, B., Technology Review 7,04, S.45- 48
2 Kritische Betrachtungen zur tierexperimentellen Forschung finden sich z.B. bei: Pound, P. et al, Where is the evidence that animal research benefits humans? BMJ 2004, 328, 514-517; Lindl, T. et al, Evaluation von genehmigten tierexperimentellen Versuchsvorhaben in Bezug auf das Forschungsziel, den wissenschaftlichen Nutzen und die medizinische Relevanz, Altex 18, 3/01; Völkel, M., Labahn, D, Die Belastung der Versuchstiere nach Einschätzung der Antragsteller von Versuchsgenehmigungen - Forderung von Kriterien zur ethischen Rechtsanwendung, Schöffl et al (Hrsg.), Forschung ohne Tierversuche, SpringerWienNewYork 1996; Balcombe, J.: »Laboratory Routines Cause Animal Stress«, Contemporary Topics in Laboratory Animal Science, December 2004; http://www.pcrm.org/news/release041118.html
4 http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/thema/vorsorge/auswege.xml (Interview mit Prof. Dr. Friedrich W. Schwartz, Direktor der Abteilung für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitsforschung der Medizinischen Hochschule Hannover

Mit freundlicher Genehmigung von Ärzte gegen Tierversuche e.V >> http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de

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