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Krümels Reise

Dieses Theaterstück basiert auf der Geschichte der Maus Krümel, die in der entstehenden Unterrichtsreihe von Achtung für Tiere u.a. die Themen Tierversuche, Tiere im Tierpark und die Mensch-Tier-Beziehung aufgreift-

Das Stück wurde von der Jugendgruppe einstudiert und 2011 mehrfach aufgeführt.

Hier stellen wir es anderen Tierschutzgruppen, Schulklassen und anderen Interessierten zur Verwendung, Anregung oder Weiterentwicklung zur Verfügung.

Krümels Zuhause
 
Eine Trittleiter ist aufgestellt, ein Besen lehnt an der Wand. In der Mitte der Bühne steht eine Kiste, darauf steht „Krümels Wohnung“.
 
Krümel geht einige Schritte umher. Guckt zum Publikum und bleibt erstaunt stehen.
Krümel: „Oh, hallo! Freut mich, Euch zu treffen. Ich bin Krümel! Ich lebe im Keller in einer kleinen Kiste, die ich gemütlich mit Papierschnipseln und getrockneten Gräsern ausgepolstert habe.“
 
Krümel stellt seine Kiste vor sich.
 
„Hier ist das Leben echt cool! Ich habe es kuschelig warm und manchmal kann ich einen Leckerbissen abstauben, den die Menschen hier unten verlieren. Und ich sammle Samen, Nüsse, Obst, Gräser, Getreide und all sowas.
 
Krümel geht einen Schritt auf das Publikum zu, beugt sich vor und „flüstert“ hinter vorgehaltener Hand:

Krümel: „Pssssst! Wollt ihr was Drolliges sehen? Passt mal auf, was passiert, wenn die Menschen mich bemerken!“
 
Eine Frau betritt die Bühne. Krümel läuft auf sie zu. Sie kreischt auf, rennt weg und steigt auf die Trittleiter. Krümel läuft um die Leiter. Die Frau greift sich den Besen und jagt hinter Krümel her.
 
Frau: „IIIiiihh. Hau ab, Du eklige Maus. Raus hier!“
 
Krümel und Mensch laufen an den Rand der Bühne, der Mensch geht ab, Krümel kommt wieder auf das Publikum zu.
Krümel (aus der Puste!): „Die Menschen, die spinnen doch, oder? Wer muss denn hier wohl vor wem Angst haben? Ich find´ das fies, wie die uns immer verfolgen!“
 
Krümel keucht noch etwas, schüttelt verständnislos  den Kopf.
 
Krümel (wieder ruhig): „Ich weiß gar nicht, warum sie so hinter mir her sind. Ich hab mich mal ins Wohnzimmer geschlichen, da lief ein Zeichentrickfilm mit einer Maus. Micky hieß der Bursche. Alle fanden ihn toll. Dabei sieht er seltsam aus, mit seinen komischen Ohren... Wieso finden sie mich nicht genauso toll? Ich bin schließlich das Original! Die „Sendung mit der Maus“ habe ich auch schon gesehen. Da werden spannende Sachen erzählt und alle mögen die dicke Maus. Mich mögen sie nicht. Ich sag ja, die spinnen, die Menschen...(schüttelt den Kopf)
Ich gehe mal ein bisschen auf die Reise. Vielleicht gibt es irgendwo doch nettere Menschen, bei denen ich wohnen kann.“
 
Im Tierversuchslabor
 
Krümel geht umher und guckt sich neugierig um. Ein kleines Gitter wird an die Trittleiter gelehnt. Eine zweite Maus betritt die Bühne und bleibt hinter dem Gitter stehen. Eine Ratte geht in einer Ecke der Bühne die ganze Zeit in einem kleinen Kreis herum.
Zwischendurch richtet sie sich auf, so als würde sie an einem Gitter kratzen, dann dreht sie sich weiter. 
Krümel entdeckt die Maus und geht auf sie zu.
 
Krümel: „Hallo, ich bin Krümel."
 
Maus: „Hallo Krümel. Ich bin 693. Du bist in einem Tierversuchslabor gelandet. Da sind Tiere nur Nummern.“
 
Krümel: „Es ist aber gruselig hier! Überall Mäuse, Ratten und Meerschweinchen, die  gefangen sind. Wie entsetzlich, jeden Tag in diesen winzigen Käfigen zu hocken. Was machen die Menschen mit euch?“
 
Maus 693: „Sie machen Versuche mit uns.“
Maus 693 hält sich den Bauch, beugt sich vor und stöhnt.
 
Krümel: „Was ist denn los mit Dir? Hast Du Bauchschmerzen?“
 
Maus 693: „Ja, ganz furchtbar. Die Menschen haben uns die schreckliche Krankheit Krebs angezüchtet. Diese dicken Knubbel hier“ (zeigt auf seine Knubbel) „wachsen immer weiter. Früher war ich mausmunter und gesund. Aber die Menschen, die Tierversuche machen, Tierexperimentatoren heißen die, haben mich krank gemacht. Die Knubbel wachsen solange, bis ich daran sterbe. Jetzt habe ich in meinem Bauch auch solche Knubbel, die kann man nur nicht sehen. Aber guck mal, hier ist auch schon eine Beule. Und jeden Tag spritzen sie eine Flüssigkeit in meinen Bauch.“ (Hält sich den Bauch)
 
Krümel: „Furchtbar. Und die anderen Tiere, sind die auch alle krank?“
Maus 693: „Ja, die Menschen haben alle hier krank gemacht. Zwei meiner Schwestern können sich überhaupt nicht mehr bewegen, weil ihre Knubbel so riesig sind. Sie sterben gerade.“
 
Krümel: „Warum hilft Euch denn keiner?“
 
Maus 693: „Sie sagen, wir sind ja nur Tiere. Hier geht es immer so zu. Auch die anderen Tiere wimmern vor Schmerzen.“
 
Krümel: „Und was ist mit der Ratte da los?“ Krümel zeigt in eine Ecke der Bühne.
 
Krümel geht einen Schritt in Richtung der Ratte. Die Ratte fiept (= der Quietsch-Ball wird geschüttelt).
 
Maus 693: „Du brauchst sie nicht anzusprechen! Sie würde Dich nicht hören!“
Krümel: „Wie traurig das hier alles ist. Ich verstehe einfach nicht, wie jemand einem anderen so etwas antun kann.“
 
Maus 693: „Die Menschen tun so, als wären wir extra dafür da, dass sie mit uns herumexperimentieren können. Im Zimmer nebenan quälen sie Beaglehunde.“
 
Krümel (entsetzt): „Waaas? Ich dachte immer, Hunde seien die besten Freunde der Menschen. Sie quälen sogar ihre Freunde?“
 
Maus 693: „Ich weiß nicht, wie die Menschen entscheiden, welche Tiere sie liebhaben und welche sie quälen. Die Hunde müssen Pflanzengift fressen, solange, bis die Hälfte von ihnen daran stirbt. Andere lassen die Tierexperimentatoren qualvoll an einer Herzkrankheit sterben.“
 
Krümel: „Kann es vielleicht sein, dass wir Tiere den Menschen irgendwas getan haben, dass sie uns so sehr quälen?“
 
Maus 693: „Ich hab niemandem was getan – und trotzdem werden sie mich töten.“
Krümel senkt traurig den Kopf.
Maus 693: „Für Tiere ist das hier die Hölle auf Erden. Verschwinde lieber, solange du noch kannst.“
 
Krümel: „Aber kann ich Euch nicht irgendwie befreien?“

Maus 693: „Das schaffst Du nie! Die Menschen werden Dich erwischen. Hier hängen überall Kameras. Und selbst wenn Du einige von uns befreien würdest – dann würden morgen neue Tiere in die Käfige gesperrt!“
 
Krümel: „Aber was kann ich bloß tun? Ich würde Euch so gerne helfen.“
 
Maus 693: „Dann lauf hier schnell weg und erzähle allen, was Du gesehen hast! Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Menschen so grausam sind. Bestimmt wissen sie gar nicht, was hier passiert. Wenn sie erfahren, wie sehr wir leiden, werden sie etwas dagegen unternehmen.“
 
Krümel: „Die Menschen müssen was für euch tun. Ich werd´ überall erzählen, was ich hier erlebt habe. Ich versprech’s!“
 
Krümel läuft weg. Die Maus geht ab. Das Gitter wird weggeräumt.
Krümel kommt zurück auf die Bühne und geht mit hängendem Kopf zum vorderen Rand.
Krümel: „Niemals werde ich die armen Tiere im Labor vergessen. Ihre Traurigkeit und ihre Schmerzen. (Atmet schwer) Entsetzlich.“
Krümel richtet sich ganz gerade auf.
Krümel (eindringlich zum Publikum): „Habt ihr die Tiere im Labor gesehen? Bitte helft ihnen! Wir sind nicht schuld an Euren Krankheiten und wir Tiere können nichts gegen Tierversuche unternehmen. Nur Ihr Menschen könnt uns helfen!“
 
Im Tierpark
 
Krümel geht wieder einige Schritte umher. Eine Kiste mit der Aufschrift „MÄUSE“ wird aufgestellt.
Ein Kaninchen kommt auf die Bühne. Krümel geht auf das Kaninchen zu.
 
Krümel: „Hallo du, wer bist denn du?“
Kaninchen: „Ich bin Bienchen, das Kaninchen!“
Krümel: „Hi Bienchen. Ich bin Krümel. Du, sag mal, wo bin ich hier?“
Bienchen: „Im Tierpark.“
Krümel: „Was? Ein Park extra für Tiere?“
Bienchen: „Ach was! Du dummes Ding. Das ist ein Park für Menschen. Die Tiere sind hier eingesperrt, damit Menschen sie anschauen können. Nun ja, … wenigstens die meisten Tiere …“
Krümel: „Die meisten? Und warum sind die anderen Tiere hier?“
Bienchen: „Tja, … Siehst du die Kiste da vorne?“ (zeigt auf die Kiste)
Krümel: „Ja, klar.“ (erstaunt:) „Oh, da sind Mäuse drin?!“
Bienchen: „Ja, das sind „Futtertiere“.“
Krümel (unsicher): „„Futtertiere“? Heißt das, sie bekommen den ganzen Tag lang was zu essen?“
Bienchen (schüttelt den Kopf): „Ts, ts, ts, … Also, Du kommst auf Ideen! Von wegen was zu essen kriegen... Weißt du denn nicht, dass Mäuse hier verfüttert werden?“
Krümel geht erschrocken einen Schritt zurück und guckt zur Kiste mit den Mäusen.
 
Krümel: „W…w…w… Wie meinst du d…d…d…denn das?“
 
Bienchen: „Die Kiste ist voll mit Mäusen, die getötet und verfüttert werden sollen – an die fleischessenden Tiere hier im Park: Füchse, Schlangen und Eulen zum Beispiel. So ein Fuchs braucht jeden Tag 18 bis 20 Mäuse. Da kannst Du Dir ja vorstellen, wie viele von uns im Tierpark täglich getötet werden. Hier sind ja jede Menge Tiere eingesperrt, die hauptsächlich mit Mäusen, Ratten, Küken oder Meerschweinchen gefüttert werden."
 
Krümel: „Und wie werden die Tiere umgebracht?“

Bienchen: „Jeden Tag kommt ein Mann mit einem Holzknüppel. Damit versucht er, die Mäuse, Ratten und Meerschweinchen auf den Kopf zu treffen. Dabei schlägt er oft nur auf eine Seite und muss immer und immer wieder zuschlagen, bis ein verletztes Tier tot ist. Es ist ein schreckliches Gemetzel. Die Schlangen bekommen sogar lebende Mäuse zu essen!“
 
Krümel: „Das ist nicht wahr..."

Bienchen: „Die Menschen haben sich extra Anleitungen zum Töten von uns Tieren ausgedacht! Eigentlich sollen auch nur größere Tiere so einen Schlag auf den Kopf bekommen, weil sie die besser treffen. Die Mäuse sollen vergast werden, mit dem Kopf auf eine Kante geschlagen oder ihnen der Kopf abgeschnitten werden. Naja, auch nicht soviel besser, oder? Und bei den täglichen Massentötungen hier machen sie sich nicht viele Gedanken um jedes einzelne von uns Tieren und wechseln nicht dauernd die Tötungsart.“
 
Krümel: „Grauenvoll!“
 
Bienchen: „Ja, es ist furchtbar. Die Mäuse haben schreckliche Angst. Sie sitzen so dicht gedrängt in der Kiste, dass sie davon schon ganz verrückt werden. Ich höre sie oft von innen an der Kiste nagen – aber sie haben keine Chance, sie können nicht ausbrechen.
Aber Du solltest sehen, dass Du von hier weg kommst. Die Tierpfleger stecken Dich auch in die Kiste, wenn sie Dich sehen.“
 
Krümel: „Du hast Recht, ich hau´ ab. Pass gut auf Dich auf, Bienchen.“
Bienchen: „Du auch. Viel Glück.“
 
Bienchen geht ab. Krümel geht nach vorne. Die Kiste wird weggeräumt.
 
In Freiheit
 
Krümel: „Hmm… Unser Mäuseleben ist echt gefährlich. Warum tun die Menschen uns nur all diese schlimmen Dinge an?“
 
Eine zweite Maus kommt dazu.
 
Maus: „Was meinst Du?“
 
Krümel: „Oh, ich hab Dich gar nicht gesehen. Wie schön, endlich mal wieder eine andere Maus in Freiheit zu sehen. Ich bin Krümel“
 
Jerry: „Ich heiße Jerry. Du warst wohl gerade im Tierpark und hast die „Futtertiere“ gesehen?“
 
Krümel: „Ja, und ich war auch in einem Versuchslabor, wo man mit Tieren die grausamsten Sachen macht.“
 
Jerry: „Ich glaube, die Menschen kennen uns zu wenig. Sie wissen gar nicht, dass wir eine Menge gemeinsam haben, wir Mäuse und die Menschen. Auch wir möchten regelmäßig essen und trinken. Wir spielen gerne miteinander und sind überhaupt gerne mit unseren Freunden und unserer Familie zusammen.“
 
Krümel: „Stimmt. Und wir leiden in Gefangenschaft, wenn man uns Schmerzen zufügt oder uns ängstigt.“
 
Jerry: „Wir mögen es gerne warm und gemütlich und kümmern uns liebevoll um unsere Kinder."

Krümel: „Und wieso glauben eigentlich manche Menschen, wir wären eklig? Jeden Tag verbringe ich viel Zeit damit, mich zu putzen und mein Nest sauber zu halten.“
 
Jerry: „Wir können sogar manches besser als die Menschen: Im Dunkeln würden die nie so klarkommen wie wir. Mit unseren Tasthaaren, können wir immer unseren Weg finden. Unsere Nase ist viel besser als ihre und wir können ganz leise, hohe Töne hören.“
 
Krümel: „Wir sind ziemlich neugierig und probieren alles aus. Ich muss zwar immer auf der Hut vor Mäusefallen und Katzen sein, aber ich habe eine Chance zu überleben. Die Tiere im Versuchslabor oder im Tierpark haben nicht einmal diese Chance!“
 
Jerry: „Wissen die Leute eigentlich nicht, dass man uns in Lebendfallen fangen kann? Man kann uns damit einfach draußen wieder aussetzen und muss uns nicht einmal anfassen. Ich habe auch schon von ganz fiesen Giften gehört, die ausgelegt werden um uns umzubringen. Aber wenn man die Dinge, die uns anlocken, maussicher verschließt, dann gehen wir doch von selbst wieder!
 
Krümel geht auf das Publikum zu.
Krümel: „Seht ihr, wir sind gar nicht so schlimm, wie viele Menschen glauben! Ich werde mich jetzt noch etwas weiter in der Welt umsehen. Und wenn ihr mich oder einen meiner Freunde mal seht, dann könnt ihr uns ja leise beobachten. Wir erschrecken sehr leicht, aber wenn ihr euch ganz ruhig verhaltet, dann könnt ihr auch bemerken, wie interessant und spannend wir sind.
Jetzt muss ich aber los und mir was zu essen suchen. Nun wisst ihr etwas über das wirkliche Mäuseleben. Vielleicht bis bald – und nicht erschrecken, wenn wir uns mal wieder treffen! Ich tu euch bestimmt nichts!
Tschüüüüß!“